Geschichte 2
Ein großes Haus, in dem viele Kinder aufgewachsen
sind, aber keiner mehr da. Alles
akkurat. Es wird ständig geputzt.
Alle sind beschäftigt mit wichtigen Dingen.
Es riecht ein bisschen alt, aber das merkt
man bald gar nicht mehr. Ich laufe barfuß
auf dem Fliesenboden. Alte Bauernfliesen
mit breiten Fugen, die unregelmäßig hoch
sind. Die Zehen bleiben auch mal daran
hängen. Sie sind meistens kalt. Das Bad
ist neu gemacht, hier gibt’s glatte Fliesen.
Das ganze Haus ist systematisch unterteilt.
Alles ist geplant. Die schwarz gestrichenen
Balken sind oft zu sehen. Schwarz
umrandet und weiß gefüllt. Dieses Muster
taucht überall auf.
Alles ist verbunden über einen Flur. Er ist
ewig lang, wenn ich vom einen bis zum
anderen Ende gucke. Räume an Räumen.
Ein Haus. Rundlaufend. Ich kenne jeden
Winkel, es fühlt sich an wie ein riesiger
Haufen von Räumen, die besondere Eigenschaften
haben. In jedem kann man
Verschiedenstes machen. Am Ende ist das
Büro. Hier sind viele Gerätschaften. Oma
sitzt meistens am Schreibtisch vor dem
Computer. Sie arbeitet viel.
Es gibt Geheimgänge. In den Keller durch
den Heizungsraum, ein Bild an der Wand.
Dahinter eine Klappe, hoch in einen Heizschacht.
Eine kleine Nische, die mit einem
Rost abgedeckt ist, damit die warme Luft
ins Wohnzimmer kommt. Ich hebe das
Gitter und komme am Ende des Teppichs
neben der Couch heraus.
Ein Sofa mit flauschigem Bezug steht vor
dem Kamin. Das andere Sofa steht mit
dem Rücken zu einer großen Glasscheibe.
Von hier kann ich ins Esszimmer schauen.
Hier stehen braune Möbel. Sie stehen bestimmt
schon lange da, alle Kanten sind
rund und glatt vom Gebrauch. Es ist eine
große Nische direkt an der Küche. Am
Abend leuchtet hier gedimmtes Licht aus
einer Lampe mit einem Schirm aus Milchglas.
Über der Treppe nach oben gibt es ein
Fenster. Nach der letzten Holzstufe trete
ich auf Teppich. Oben ist fast überall Teppich.
Es läuft sich weich und leise. Die
Standuhr schlägt. Tief und hallend. Ich liege
auf dem Bauch an der Kante des Treppenlochs.
Es ist gemütlich. Beobachten.
Das Treiben in der Küche meiner Großeltern.
Es ist, als würde im Rest des Hauses
kaum etwas passieren. Wie ausgestorben.
Oben gibt es einen großen Wandschrank.
Er ist weiß und glatt. Hinter den Türen
sind Reihen von Ordnern. Nur eine Tür
öffnet sich zu einem verborgenen Raum.
Wenn man es nicht weiß, merkt man es
nicht.

Geschichte 2
Bühnenraum






